
Lärm ertönt, ein Gitarrenfiepen, die Gäste des Grünen Jägers aus dem schönen Biergarten herein in die Indie-Höhle zwischen Pauli und Schanze zu locken. Die Gitarren werden lauter, dann kommen die Drums, zack auf den Punkt, und die ersten Töne von “Quizshows” erfüllen den Jäger und, soviel vorweg, alle Erwartungen. Ja, Panik aus Wien werden gerade mit kleinen Lobeshymnen bedacht, die Spex machte ihr zweites Album “The Taste and the Money” zur Platte der Ausgabe und überhaupt scheinen sich alle darauf zu einigen, dass die zur Zeit interessanteste deutschsprachige Band aus Österreich kommt. Gut, vielleicht nicht unbedingt die Leute, die die Pre-EM Party in den Jäger gelockt hat und die mit Ha Ha lustigen pseudo Wiendialekt auf sich aufmerksam machen, aber eben alle anderen.
Derweil auf der Bühne spielen Andreas, Sebastian, Thomas, Christian und Stefan Songs, die es so noch nicht gab. Bei aller attestierten textlichen Raffinesse schießen die Stücke von Ja, Panik musikalisch aus dem Bauch, werden getragen von Mehrstimmigkeit, Nörgelchören und Melodien, die auch jenseits von Indie noch funktionieren. Immer wieder löst schrammeliger Noise die Harmonie ab, immer wieder macht es den Anschein, als würde die Band dahinjammen und dann finden die Fünf wieder in den Song und bringen ihn mit Handclaps und augenzwinkerndem Pop-Verständnis zu Ende. Dieser Pop ist es, der Songs wie “Zwischen 2 und 4″, “Thomas sagt” und “Marathon” zu Hits werden lässt.
Die Ansagen von Sänger Andreas Spechtl sind kurz, meist dankbar und immer schüchtern verstrahlt. Er hat auch keine Zeit lange zu reden, denn die nächste Weißweinschorle wartet schon heruntergestürzt zu werden. Mal singt er in unikalem Holperrhythmus “Der Fall wird immer klarer, heute Abend gibt es keinen Fahrer mehr, denn ich werd trinken, ich werd weiter trinken”, mal schreit Andreas so laut er kann “Nein Nein Nein Nein Nein Nein Nein in zwölf in verschiedenen Sprachen” und manchmal kreischt er auch einfach, als sei er der Frontmann einer wüsten Hardcore Band. Wenn sich dann wieder Chorgesänge wie “Lebe wild und gefährlich” zwischen manchmal ironisch intellektuelle Höchstleistungen drängen und ein kollektives Pop- und Literaturgedächtnis herbeizitiert wird, merkt man, dass Ja, Panik sich gerne widersprechen und das alles nicht so ernst nehmen. Dann kommt der letzte Song des regulären Sets, ein lautstark aufgerissenes Lärmgewitter, eine Feedbackschlacht, das Schlagzeug fliegt um, die Hände hauen und flirren wild über die Tasten und Saiten und dann ist auf einmal alles vorbei und der Jäger schreit und klatscht nach mehr. Mehr von dieser Band. Die erste von drei Zugaben beginnt wieder mit einem Bruch: Wo eben noch das lauteste Schrammeln war, ist jetzt eine Ukulele und ein vielstimmig dahin gegroovetes “Geht`s ein bisschen lässiger, geht`s ein bisschen cooler?” Gehts cooler? Nein, Njet, No, Non, Nej, Nò, Bu shi, Nee, Ei, Nay, Naheen, Naa!
Ein Interview mit Ja, Panik und zwei exklusive Akustiksongs gibt es ab 17.6. im neuen iLIVE Podcast Episode 39 und natürlich hier bei www.iloveilive.de

[...] Akustiksongs von Ja, Panik, einer der raffiniertesten Bands der Stunde. Die Songs haben wir vorm Konzert der Wiener im Grünen Jäger aufgenommen – mit unserem neuen Aufnahmegerät und das scheint sich [...]
23. Jun. 2008 | #