
Die Fratellis sind eine dieser Indie-Rock-Bands, auf die sich im vorigen Jahr alle einigen konnten. 2007 ertönen die stampfenden Überhits der Schotten in allen Indie-Locations und nicht nur dort: Die Fratellis bekommen Awards hinterhergeschmissen, laufen in der iPod-Werbung und liefern mit Stücken wie “Flathead”, “Chelsea Dagger” und “Henrietta” den Festival-Soundtrack, zu dem man die Kanne Pils selbstbewusst in die Luft reißen und leeren kann.
Zu “Here We Stand”, dem neuen Album, sagt Sänger John Fratelli: “Wir sind definitiv härter geworden. Ich erkenne die Band des ersten Albums kaum noch wieder.” Natürlich ist das maßlos übertrieben, aber so sind wir es ja von den Rockstars von der Insel gewohnt. Die Fratellis bleiben die Fratellis, verlassen sich allerdings nicht auf ihr Markenzeichen, die Lalala- und Döpdöpdöp-Singalong-Chöre, sondern haben ordentlich Led-Zeppelin-Energie getankt und setzen verstärkt auf Riffs sowie große Gitarrenmelodien.
Den Live-Auftritten schadet das nicht. Bei einem Konzert im April in London spielte sich ein bekanntes Ritual ab: Kurz vor Beginn der Show kaufen die Fans je zwei Becher Bier. Bei den ersten Tönen der Fratellis fliegt der eine Becher hoch in die Luft und gibt eine ordentliche Bierdusche, der andere fließt die Kehle hinunter. Bei den Hamburgern im Uebel & Gefährlich sah das ganz ähnlich aus.
Während die drei Schotten mächtig Gas auf der Bühne geben und dem ordentlich vollen Uebel die neuen Songs in amtlicher Lautstärke um die Ohren hauen, weiß das Publikum kaum wie ihm geschieht. Hinter mir, rechts im vorderen Drittel, hat sich sowas wie ein feiernder Asiblock gebildet. Zwei Mädchen in Ringelshirts, die eine schwarz-rot, die andere in schwarz-weiß, halten sich gegenseitig, haben ihre Schuhe verloren, zerknicken mir meinen Pastikbecher beim Arm in Arm Umherspringen und füllen ihn dann ganz brav wieder mit ihrem Bier auf. Dann kommt ein Freund der beiden an, fragt mich, ob ich Bier sammle und schüttet mir den Becher randvoll. Er nimmt noch einen Schluck und feuert sein Plastik dann Richtung Bühne, wo sich derweil juvenile Stagediver auf den Händen kreischender Fans treffen.
Nach jedem Song werden fleißig dödöpdöp-Chöre angestimmt, bis endlich “Chelsea Dagger” gespielt wird, der Hit der Band, der wie kaum ein anderer Song auf die Urinstinkte eines Fußball Fans abgestimmt ist. Passt ja nicht schlecht gerade, oder?
